Um die eigene MS-Erkrankung positiv zu beeinflussen, ist auch eine gesunde und schmackhafte Ernährung wichtig. Wer sich im Internet mit dem Thema Ernährung bei MS beschäftigt, findet schnell sehr unterschiedliche und widersprüchliche Informationen und Tipps.

Gegensätzliche Ernährungsformen bei Multiple Sklerose

Dr. Evers zum Beispiel entwickelte für MS-Patienten die Evers-Diät, die zu 100% aus Rohkost besteht. Er war sehr streng bei der Umsetzung und brach die Behandlung ab, wenn der Patient sich beim Essen von gekochter Nahrung erwischen ließ. Die Dr. Fratzer-/Dr. Hebener Diät konzentriert sich auf die Meidung von linolsäure- und arachidonsäurehaltigen Lebensmitteln, da diese entzündungsfördernd sind. In der Paleo-Ernährung, die auch oft bei  Multiple Sklerose empfohlen wird, soll eine Ernährungsweise nachgeahmt werden, die in der Steinzeit vermutet wird. Dabei werden Getreide genau wie stark verarbeitete Nahrungsmittel gemieden, viel Rohkost gegessen, aber auch Fisch und Fleisch. Als Fett wird häufig auch Kokosfett verwendet. Zusätzlich gibt es noch viele weitere Diätformen.

Was in der Regel beid er Definition der Diäten jedoch fehlt, ist der Mensch! In der Regel gibt es eine Liste mit Nahrungsmitteln, die jeden Tag gegessen werden sollen. Eine andere Liste enthält die Nahrungsmittel, die nach Möglichkeit aus dem Speiseplan komplett gestrichen werden sollen. JEDER MS-Patient erhält dieselben Empfehlungen.

Menschen sind individuell – auch Menschen mit MS

Aus meiner Sicht kann es nicht sein, dass alle MS-Patienten sich gleich ernähren sollten. Dies ist übrigens in meinen Augen der Grund dafür, dass sich für die oben erwähnten Ernährungsformen immer Menschen finden lassen, die damit Erfolg hatten. Genauso finden sich aber auch immer Menschen, die mit der Ernährungsform nicht zurecht kamen.

Ich habe mir übrigens über Jahre selbst geschadet, als ich mich extrem „gesund“ mit 80% Rohkost und der konsequenten Meidung vermeintlich ungesunder Nahrungsmittel wie Fleisch, Fabrikfetten und Zucker ernährt habe. Auch jedes Essen, das ich nicht selber zubereitet hatte, habe ich verschmäht. Man weiß ja nie, was da alles drin war!

5-Elemente-Ernährung – so individuell wie Du und ich

Meine Rettung war vor mehr als 10 Jahren, dass ich mich neu verliebt habe. Meine neue Freundin ernährte sich nach der 5-Elemente-Lehre der Chinesischen Diäthetik. Hier wird Rohkost nur in ganz geringen Mengen als Bittersalat gegessen, dafür wird oft 3 Mal pro Tag eine warme Mahlzeit gegessen.

Am irritierendsten empfand ich damals das Frühstück. Hier gibt es unterschiedliche Varianten, die aber alle gekocht sind. So gibt es Suppen (z B. Congee = Reissuppe), Porridge, oder gedünstetes Gemüse mit Reis oder anderem Getreide.

Aber ich habe mich nach einiger Zeit überzeugen lassen!

Die Freundin von damals ist heute meine Frau und Praxispartnerin Sabine Kakizaki. Ich genieße es, dreimal am Tag warm zu essen. Auch gibt es in der 5-Elemente-Küche praktisch keine „Verbote“. Lebensmittel werden nach ihrer Wirkung eingeteilt, z. B. nach thermischer Wirkung in Heiß, Warm, Neutral, Kühl oder Kalt. Grundsätzlich sollte man sich möglichst „Neutral“ ernähren, wobei Heißes durch Kaltes neutralisiert werden kann. Dabei ist die thermische Wirkung aber nicht mit der Temperatur beim Essen gleichzusetzen! Neutrale Speisen wie Reis können auch heiß verzehrt werden, ohne die neutrale Wirkung zu verlieren.

Neben der thermischen Wirkung gibt es noch weitere Faktoren, nach denen Lebensmittel eingeteilt werden. Auf diese gehe ich hier aber nicht ein.

Wichtig ist aber, dass die Nahrung nach dem Menschen, aber auch nach der Jahreszeit passend ausgewählt wird. Im Moment ist Hochsommer mit Temperaturen um die 30°C. In dieser Zeit darf auch etwas mehr Rohkost, z. B. in Form von rohem Obst gegessen werden.

Mein heutiges Frühstück

Das Bild dieses Beitrags zeigt unser heutiges Frühstück: Ein Buchweizen-Heidelbeer-Kasha.

Facebook-Beitrag meiner Frau und Kollegin Sabine Kakizaki zu diesem Thema und Frühstück.