Wie ich mein Leben aufgrund der MS auf den Kopf gestellt habe und warum ich nicht mehr zu meinem Leben vor der Diagnose zurück möchte - MS-Flüsterer

Wie ich mein Leben aufgrund der MS auf den Kopf gestellt habe und warum ich nicht mehr zu meinem Leben vor der Diagnose zurück möchte

Die MS-Diagnose hat mein Leben auf den Kopf gestellt.

Zunächst war die Krankheit ein großer Schock für mich. Eine ehemalige Nachbarin und Freundin meiner damaligen Frau hatte seit ihrer Jugend MS und war bereits mit 25 Jahren ans Bett bzw. den Rollstuhl gefesselt.

Und das, obwohl sie alles getan hatte, was ihr Arzt empfohlen hat.

Die Krankheit der „1000 Gesichter“ hatte sich bei ihr von der übelsten Seite gezeigt und ihr Leben komplett zerstört. Sie ist bereits seit vielen Jahren tot.

Und jetzt hatte ich diese Krankheit!

Auf gar keinen Fall wollte ich tatenlos dabei zusehen, wie mein Leben immer weiter eingeschränkt würde.

Meinem Arzt stellte ich sofort nach der Diagnose die Frage, wie ich den Krankheitsverlauf denn beeinflussen kann. Die Antwort war ein mitleidiges Achselzucken.

„Da können Sie nichts tun außer abzuwarten.“

Neurologen konnten mir aus meiner Sicht nicht helfen

Diese Antwort passte mir nicht und ich habe diese Praxis nie wieder betreten.

Leider hatten die nächsten Neurologen, die ich um Rat fragte, auch keine andere Antwort. Sicher gibt es auch andere Neurologen, aber diese habe ich damals nicht gefunden.

Aus heutiger Sicht war das wahrscheinlich mein Glück, denn sonst wäre ein Leben mit MS wahrscheinlich anders verlaufen.

Hilfe durch einen Wink des Schicksals

Ausgelöst durch die negativen Erfahrungen bei meinen Ärzten machte ich mich selbst auf die Suche nach Lösungen oder Hilfe.

Nach wenigen Monaten erinnerte ich mich an einen Jugendwunsch, den ich nie umgesetzt hatte.

Ich wollte schon als Jugendlicher einmal Heilpraktiker werden.

Leider war ich damals noch zu jung und hatte auch kein Geld für die Ausbildung, also bin ich den Weg gegangen, den ohnehin alle von mir erwartet hatten: Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert und weiter mit IT mein Geld verdient.

Das war ein guter Verdienst und bald hätte ich mir die Heilpraktiker-Ausbildung gut leisten können. Aber ich hatte keine Zeit mehr. So geriet mein Wunsch in Vergessenheit.

Durch die MS-Diagnose erinnerte ich mich wieder an diesen Wunsch. Was lag näher, als ihn jetzt umzusetzen?

Auch wenn mich Arbeitskollegen und Freunde warnten, mit dieser Erkrankung noch mehr Stress auf mich zu laden um Heilpraktiker zu werden und dann noch den sicheren Job gegen eine Selbständigkeit einzutauschen, ließ ich mich nicht mehr davon abbringen.

Ich meldete mich bei einer Heilpraktikerschule an.

Naive und neugierige Suche nach geeigneten Heilmethoden

In der Heilpraktiker-Schule wollte ich alle Behandlungsmetoden lernen, die bei MS helfen können. So lernte ich in den ersten Jahren die Dorn-/Breuss-Therapie, Hypnose und Homöopathie.

Schnell musste ich mir eingestehen, dass mein guter Vorsatz nicht realisierbar war: Ich konnte nicht alle Methoden lernen, die bei MS helfen könnten. Das waren einfach viel zu viele. Und vor allem könnte ich auch nie behaupten, dass ich in allen diesen Methoden der Spezialist bin.

Durch Glück und Zufall besuchte ich dann einen Vortrag über Chinesische Medizin und Akupunktur.

Die Dozentin erklärte anhand von leichtverständlichen Beispielen, wie Chinesische Medizin durch Beobachtung der Natur entstand und wie alles durch Naturgesetze erklärbar ist.

Mein erster Besuch bei einer Heilpraktikerin

Dieser Vortrag hat mich so überzeugt, dass ich mich anschließend zur Ausbildung der Chinesischen Medizin und Akupunktur anmeldete. Und ich habe sie gefragt, ob ich nicht auch als Patient zu ihr kommen dürfe um meine MS behandeln zu lassen.

Die Behandlung war aber anders, als ich es mir vorgestellt hatte. So haben wir immer viel über mein ganzes Leben und über die Sichtweise der Chinesischen Medizin gesprochen.

Krankheit ist immer ein Versuch, uns wieder in die richtige Richtung zu lenken

Alleine diese Gespräche haben meine Sicht auf die Krankheit komplett verändert. Ich habe gelernt, was diese Krankheit mit meinem Leben zu tun hat. Und dass selbst eine Krankheit wie MS niemals gegen mich sein kann, sondern immer nur der Versuch, mein Leben wieder in die richtige Richtung zu lenken.

Ich wusste schon, dass ich von meinem Weg abgekommen war. Und ich dachte, mit der Heilpraktiker-Ausbildung wäre ich schon wieder auf dem richtigen Weg angekommen.

Die vielen Schübe der folgenden Monate und Jahre bewiesen mir das Gegenteil

Es folgten viele Schübe in kurzem Abstand, so dass meine Überzeugung auf harte Proben gestellt wurde. Durch die Gespräche und Akupunktur bei meiner Heilpraktikerin und Lehrerin konnten wir die Schübe und die entsprechenden Symptome immer schnell in den Griff bekommen.

Und jeder Schub hat mir gezeigt, wo ich mich selbst noch ignorierte und gegen meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse handelte.

Je mehr ich mich danach richtete (also meine Bedürfnisse nicht mehr überging), desto, schneller verschwanden die Symptome wieder. Und je mehr ich mein Leben an meinen Wünschen und Bedürfnissen ausrichtete, desto seltener bekam ich einen Schub.

Meine Schübe sind immer ein Warnsignal, dass ich mich selbst wieder schlecht behandle

Inzwischen habe ich wieder Freundschaft mit mir selbst geschlossen und bin der wichtigste Mensch in meinem Leben geworden. Insofern musste mein Körper auch schon seit vielen Jahren keinen Schub mehr erzeugen.

Mein Leben heute – kein Stein ist mehr dort, wo er vor der Diagnose war

Ich habe jeden Stein in meinem Leben umgedreht und geschaut, wessen Name darunter stand. Leider habe ich nur sehr weinig Steine gefunden, unter denen mein Name stand.

Also habe ich nach und nach fast alle Steine ausgetauscht.

Und mit jedem Stein ging es mir besser! Mit jedem Stein bin ich ein Stück zu meinem Leben zurückgekehrt.

Mit jedem Stein hatte die MS einen Grund weniger, sich noch einmal zu zeigen.